Jüdische Feste im Jahreslauf

Griese
Mit MdB Kerstin Griese (SPD) in Berlin.

Der jüdische Kulturverein kann bereits auf eine Vielzahl von Veranstaltungen zurückblicken: die Reise nach Berlin auf Einladung der Bundestagsabgeordneten Kerstin Griese (SPD) im September 2005, der Ausflug durch den Kreis Mettmann und der Empfang im Kreishaus (Juni 2006), zahlreiche Vorträge über jüdische Religion und Kultur durch Referenten der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Bildungsreisen und Bustouren, Ausflüge, Sprachkurse und Sommerfeste.

Im Zentrum der Vereinsarbeit steht der Wunsch, jüdische Feste im Jahreslauf gemeinsam mit Christen und Muslimen zu feiern, um voneinander zu lernen und in einen Dialog einzutreten. Gäste sind herzlich zu unseren Festen willkommen. Sie finden meist im Medienzentrum der Stadt Ratingen, Peter-Brüning-Platz 3, statt und werden durch die örtliche Presse angekündigt.

 

 

Wir feiern die folgenden jüdischen Feste:

Rosch Ha-schanah, das jüdische Neujahrsfest

Rosch 2005
Bürgermeister Harald Birkenkamp beim Rosch Ha-schanah Fest 2005

Die Mischna, die wichtigste Sammlung religiöser Überlieferungen des rabbinischen Judentums, legt dieses Fest als Jahresbeginn und für die Berechnung von Kalenderjahren fest.

Rosch ha-Schanah fällt nach dem jüdischen Kalender auf den 1. Tischri, der nach dem christlichen Kalender auf Ende September oder in die erste Hälfte des Oktober fällt. Das genaue Datum im gregorianischen Kalender wechselt von Jahr zu Jahr, weil der jüdische Kalender mit 12 Mondmonaten von 29 bis 30 Tagen rechnet (Synodischer Monat 29,53 Tage). Um die 354 oder 355 Tage mit dem Sonnenjahr in Einklang zu bringen, wird etwa alle drei Jahre ein ganzer Schaltmonat eingefügt.

An Rosch ha-Schanah beginnen die zehn Yamim Noraim (hebr. „furchtbare Tage”), die mit dem Versöhnungsfest Jom Kippur enden. Die rabbinische Literatur beschreibt diesen Tag als einen Tag des Gerichts. Einige Beschreibungen schildern Gott als auf einem Thron sitzend, wobei Bücher mit den Taten aller Menschen offen vor ihm liegen. Der Neujahrswunsch „Guter Rutsch!” ist eine deutschsprachige Verballhornung und hat mit Rutschen nichts zu tun. Aus dem jiddischen Gruß „Gut Rosch” (Rosch = Kopf, Anfang; also etwa: „Gutes Neujahr”) wurde schließlich der deutsche Neujahrswunsch „Guter Rutsch”.

Rosch ha-Schanah beginnt im Herbst, am Tagesende zwischen dem 29. Tag des jüdischen Monats Elul; das Fest dauert zwei Tage bis zum Tagesende des zweiten Tages des Monats Tischri (sogar in Israel, wo ansonsten die meisten Feiertage nur einen Tag lang sind). Der zweite Tag wurde später hinzugefügt. Rosch ha-Schanah und Jom Kippur sind durch das Blasen des Schofars gekennzeichnet. Ein Schofar ist ein Blasinstrument aus Widderhorn, das bei aschkenasischen Juden kein Mundstück hat, bei sephardischen Juden jedoch mit einem einfachen Mundstück ausgestattet ist. Am Nachmittag des ersten Tages gibt es den so genannten Taschlich-Brauch, nach einem Gebet zur Vergebung von Sünden diese symbolisch durch Werfen von Steinen oder Brotkrumen ins Wasser abzustreifen. Die Mahlzeiten an Rosch ha-Schanah enthalten oft Früchte und Honig, um ein „süßes neues Jahr” zu symbolisieren. Rund um das jüdische Neujahrsfest gibt es eine Reihe von Sitten. So ist es in einem orthodoxen jüdischen Haushalt beispielsweise üblich, an diesem Tag eine Frucht der neuen Saison zu servieren, die von keinem Familienmitglied bis dahin gegessen wurde.

Pessach – die Befreiung

Pessach 2005
Pessach-Feier in den Vereinsräumen.

Pessach (hebräisch) oder Pascha (aramäisch) gehört zu den höchsten Festen des Judentums. Es erinnert an den Auszug aus Ägypten, also an die Befreiung der Israeliten aus der Sklaverei, mit der sie als eigenes Volk in die Geschichte eintraten. Für gläubige Juden bedeutet dieses Ereignis zugleich die bleibende Erwählung des Judentums zum „Volk Gottes". Das Pessachfest war traditionell mit Schawuot und Sukkot eins der drei traditionellen israelitischen Wallfahrtsfeste, an denen die Gläubigen nach Jerusalem zum Tempel auf dem Zionsberg pilgerten und dort das Passalamm opferten (Ex 12,3-11). Es wurde aber schon vor der endgültigen Zerstörung des Jerusalemer Tempels im Jahre 70 n. Chr. als Hausfest im Kreis der ganzen Familie gefeiert. Das Pessachfest dauert sieben Tage, in der Diaspora bei orthodoxen Juden acht Tage. Während dieser Zeit darf gemäß Gottes Gebot (Exodus 12,20) nichts Gesäuertes (hebräisch Chamez) verzehrt werden noch sich im Haus befinden. Dies wurde in der rabbinischen Tradition auf alle Speisen, die in irgendeiner Weise mit Gesäuertem in Berührung kamen, ausgedehnt. Sie dürfen an Pessach weder zur Zubereitung oder Darreichung von Speisen, ja nicht einmal zur Viehfütterung genutzt werden. Als Säuerndes gilt jede der fünf Getreidearten Weizen, Roggen, Gerste, Hafer, Dinkel (Spelt), die für mindestens 18 Minuten mit Wasser in Kontakt kam, sowie jede Speise und jedes Getränk, das aus einer dieser Getreidesorten hergestellt ist oder sie enthält.

Zur Festvorbereitung werden daher in der Vorwoche sämtliche gesäuerten Nahrungsmittel verzehrt, verschenkt oder verkauft und die übrigen in einem großen Hausputz entfernt. Das Haus wird bis auf den letzten Krümel gereinigt. Chamez, welches vergessen und später entdeckt wurde, darf nicht mehr genutzt werden und wird deshalb weggeworfen. Glasgeschirr wird drei Tage gewässert (jeweils nach 24 Stunden gewechselt). Eisernes Gerät (Töpfe, Besteck) wird abgekocht, um es vorschriftsmäßig koscher zu machen. In vielen Haushalten gibt es Geschirr und Besteck nur für Pessach. Alles Küchenzubehör aus anderen Materialien, wie Holz, Porzellan, Steingut, Plastik usw. wird während des Festes weggeschlossen. Zum Abschluss dieser Hausreinigung wird rituell im Licht einer Kerze jeder Winkel der Wohnung nach verbliebenem Chamez durchsucht.

Das Pessach ist, mehr noch als viele andere jüdische Feste, ein Familienfest, mit dem die Angehörigen sich in die Ursprungstraditionen ihres Volkes stellen, diese erinnern und neu für sich bekräftigen. Jeder soll sich fühlen, als wäre er selbst aus Ägypten ausgezogen und seinen Kindern davon erzählen. Diese Erinnerung soll die Identität und den Zusammenhalt des Judentums, auch in aller Zerstreuung und Verfolgung, bewahren. Die Trennung von „privater" und „öffentlicher" Geschichtserinnerung oder „sakraler“ und „profaner“ Religiosität ist dem Judentum in allen seinen Richtungen und Schattierungen fremd.

Sukkot – das Laubhüttenfest

Sukkot ist ein jüdisches Pilger- und Wallfahrtsfest. Es wird im Herbst acht - vom 15. bis 22./21. Tischri des jüdischen Kalenders. Im 3. Buch Mose, Kapitel 23, finden sich die entsprechenden biblischen Anweisungen.

Sukkot gilt als das größte Freudenfest des jüdischen Jahres. Der Name stammt von folgendem Brauch: In Erinnerung an die Wüstenwanderung bauen Juden aus Ästen, Blättern und Stoffplanen zu diesem Fest eine Laubhütte - im Garten, auf dem Hof oder auch auf dem Balkon. Im Falle von Hochhaussiedlungen wird meist eine gemeinsame Hütte für alle dort lebenden jüdischen Familien im Hof aufgestellt. In dieser Hütte werden die Mahlzeiten abgehalten, es wird gefeiert und evtl. werden auch jüdische Texte gelesen. Falls das Klima es zulässt, kann in dieser Laubhütte auch übernachtet werden. Gänzlich gesichert ist die Herkunft dieses Festes aber nicht - möglicherweise entspringt es auch einem Fest zur Weinlese in Palästina.

Das Bauen der Laubhütte gilt als Erinnerung daran, dass wir Menschen in der Welt uns auf Materielles wenig verlassen können, weil wir es vielleicht bald verlieren werden. Vielleicht müssen wir bald sogar unser Haus und unseren Wohnort verlassen. Gott hingegen können wir unbedingt vertrauen; er ist unvergänglich.

Zu den Gottesdiensten in der Synagoge bringen die Teilnehmer Feststräuße aus vier Pflanzenarten mit: Zweige von Palmen, Myrten, Weiden, und die Etrog (eine Zitrusfrucht). Dieser Feststrauß, auch Lulaw genannt, wird während des Gottesdienstes geschwenkt (im orthodoxen Judentum von den Männern). Dies ist ein Zeichen der Freude.

Jom Kippur – der Versöhnungstag

Jom Kippur ist der jüdische Versöhnungstag und gleichzeitig der wichtigste Festtag im Judentum. Im jüdischen Kalender beginnt der Versöhnungstag bei Sonnenuntergang vor dem 10. Tischri (d.h. September/Oktober), und dauert bis zum nächsten Sonnenuntergang. Jom Kippur gilt als heiligster und feierlichster Tag des jüdischen Jahres. Der Schwerpunkt liegt auf Reue und Versöhnung. Essen, Trinken, Baden, Körperpflege, das Tragen von Leder (einschließlich Lederschuhen) und sexuelle Beziehungen sind an diesem Tag verboten. Das Fasten - der gänzliche Verzicht auf Essen und Trinken - beginnt kurz vor Sonnenuntergang und endet am folgenden Tag nach Einbruch der Nacht.

Der Gottesdienst beginnt mit dem Gebet "Kol Nidre", das vor Sonnenuntergang gelesen wird. Kol Nidre, aramäisch für "Alle Gelübde", ist eine öffentliche Aufhebung aller Gelübde, die im folgenden Jahr eingegangen werden. Die deutsche Übersetzung dieses Gebets lautet: "Alle Gelübde, Verbote, Bannsprüche, Umschreibungen und Nebenbezeichnungen derselben, Strafen und Schwüre, die wir geloben, schwören, als Bann aussprechen, uns als Verbot auferlegen von diesem Versöhnungstage bis zum Glück bringenden nächsten Versöhnungstag: alle bereue ich, alle seien aufgelöst." Nach jüdischer Tradition betrifft dies ausschließlich Verpflichtungen oder Entsagungen, welche die Person des Gelobenden betreffen, nicht aber Versprechen, die einem Nebenmenschen gegenüber eingegangen werden.

Jom Kippur ist der Abschluss der zehn Tage der Reue und Umkehr, die am Neujahrstag Rosch ha-Schanah beginnen. Zwar ist reuevolles Gebet zu allen Zeiten möglich, gilt aber an diesem Tag als besonders wirkungsvoll. Das Morgengebet enthält zahlreiche Litaneien und Bitten um Vergebung, die auf hebräisch Selichot genannt werden. Gemäß Maimonides "hängt alles davon ab, ob die Verdienste eines Menschen die von ihm begangenen Fehler überwiegen". Deshalb sind zahlreiche gute Taten vor dem Urteil am Versöhnungstag angebracht. Wer von Gott als wertvoll erachtet wird, wird ins Buch des Lebens eingeschrieben, und so wird im Gebet gesagt: "Schreibe uns ins Buch des Lebens ein". Auch begrüßt man sich mit den Worten: "Mögest du (im Buch des Lebens) für ein glückliches Jahr eingeschrieben werden."

Auch nach der Zerstörung des zweiten Tempels im Jahre 70 wurde der Versöhnungstag beibehalten. "Auch ohne dargebrachte Opfer bewirkt der Tag an sich Versöhnung" (Midrasch Sifra, Emor, XIV). Nach der jüdischen Lehre ist der Tag nutzlos, solange er nicht von Reue begleitet ist. Das reuevolle Eingeständnis von Sünden war eine Bedingung zur Sühne. "Der Versöhnungstag befreit von Sünden gegen Gott, jedoch von Sünden gegen den Nächsten erst, nachdem die geschädigte Person um Verzeihung gebeten worden ist" (Talmud Joma VIII, 9). Daher stammt der Brauch, am Vorabend des Fasttages alle Streitigkeiten beizulegen. Am Versöhnungstag erhalten auch die Seelen der Toten Vergebung. Im Gebet Jiskor wird in der Synagoge der Verstorbenen gedacht.

Schon am Vorabend wird der Gebetsschal Tallit angezogen - das einzige Mal im Jahr, in dem dies während eines Abendgebets geschieht. Eine weitere Besonderheit ist das Gebet Neïlah, worin der Abschluss des Tages thematisiert wird. Der endgültige Abschluss von Jom Kippur wird mit dem Widderhorn Schofar bekanntgegeben. Sowohl in Israel als auch außerhalb dauert das Fest einen ganzen Tag.

Purim – das Fest der Lose

Purim 2005
Purims-Spiel mit Musik, Verkleidung und viel Humor.

Purim ist – so könnte man scherzhaft sagen – der jüdische Karneval im Frühjahr. Kinder verkleiden sich, es gibt Purimsspiele und Süßigkeiten. Die Ratinger Juden feiern Purim als ein besonders fröhliches Fest. Auch gibt es seit 2003 wieder ein jährliches Purimsspiel, welches von Mitgliedern des Kulturvereins szenisch dargeboten wird.

Das Purimfest wird am 14. des Monats Adar des jüdischen Kalenders (also im Februar oder März des christlichen Kalenders) gefeiert. Purim ist ein Fest, das an die Errettung des jüdischen Volkes aus drohender Gefahr in der persischen Diaspora erinnert. Nach dem Buch Ester, versuchte Haman, der höchste Regierungsbeamte des persischen Königs, die gesamten Juden im Perserreich auszurotten, wobei Ester die Errettung herbei führt mit Fasten und Gebet. In der Synagoge wird aus diesem Anlass ein Gottesdienst gefeiert, bei dem alles nicht sehr ernst zugeht; der ganze Ablauf zielt auf Freude. Dabei wird auch die Festrolle des Buches Ester vorgelesen. Immer wenn der Name Haman fällt, darf so viel Krach wie möglich mit Tuten und Rasseln gemacht werden. Dies beruht auf dem Befehl Gottes, den Namen Amaleks zu löschen, nachdem Amalek Israel auf dem Weg zum versprochenen Land behindert hat. Sein Name wurde zum Symbol der Judenfeindschaft für alle Zeiten.

Die Geschichte besagt, dass Haman sein Amt als höchster Regierungsbeamter des persischen Königs Ahasveros selbstsüchtig ausgenutzt habe. Die königliche Dienerschaft musste sich vor ihm niederknien. Esthers Patenonkel und Adoptivvater Mordechai, ihr Cousin, habe sich als Jude jedoch geweigert, da Juden sich nur vor Gott neigen. Aus Rache hat Haman die Vernichtung sämtlicher Juden beschlossen. Per Edikt wurde in allen 127 Provinzen des Königreiches der Befehl zur Tötung der Juden versandt. Der genaue Zeitpunkt sei durch das Los bestimmt worden - daher auch der Name Purim (hebr. Lose). Esther habe sich aber beim König für die Rettung der Juden eingesetzt, wonach Haman nach dem Befehl Xerxes hingerichtet wurde, wie er es eigentlich für die Juden vorgesehen hatte. In allen 127 Provinzen des Königreiches wurde den Juden gestattet, sich gegen Übergriffe zu wehren. In Folge dessen, wurde sowohl Haman, seine 10 Söhne und (je nach diversen Schätzungen bis zu 70000) all seine Gefolgschaft erschlagen.

Die mit Purim verbundenen Bräuche basieren auf folgender Passage aus dem Buch Ester: "Mordechai schrieb alles auf, was geschehen war. Er schickte Schreiben an alle Juden in allen Provinzen des Königs Artaxerxes nah und fern und machte ihnen zur Pflicht, den vierzehnten und den fünfzehnten Tag des Monats Adar in jedem Jahr als Festtag zu begehen. Das sind die Tage, an denen die Juden wieder Ruhe hatten vor ihren Feinden; es ist der Monat, in dem sich ihr Kummer in Freude verwandelte und ihre Trauer in Glück. Sie sollten sie als Festtage mit Essen und Trinken begehen und sich gegenseitig beschenken, und auch den Armen sollten sie Geschenke geben." (Esther, 9:20-22)

Im Mittelpunkt steht das Verkleiden mit bunten Trachten und das Veranstalten von Umzügen. Die Stimmung ist ausgelassen. Es werden Geschenke ausgetauscht und große Mengen (vor allem süßer) Festspeisen - wie beispielsweise mit Mohn, Nüssen oder Schokolade gefüllte Hamantaschen - verzehrt. Begründungen gibt es viele, warum zu Purim Masken und Kostüme getragen werden. Eine davon basiert auf der Tatsache, dass das Buch Esther eins der Bücher der Bibel ist, in dem der Ausdruck Gott kein einziges mal genannt wird, zumindest nicht direkt aber doch in Zusammensetzung von Wörtern. Die jüdische Tradition interpretiert diese Eigenart so: Selbst Gott hat sich zu Purim verkleidet. Dennoch ist in den ausführlichen Details der Erzählung die unverwechselbare Präsenz der Göttlichen Vorhersehung spürbar. Auf die gleiche Weise soll das Konzept der Maske die Art und Weise ausdrücken, in der Gott die Geschehnisse von Purim lenkte. Er habe sie gelenkt, wenn auch nicht sichtbar, als hätte er eine Maske getragen. Früher verkleideten sich Juden als Esther, Haman usw. Aus der fröhlichen Stimmung des Feiertages heraus wurden dann aber auch andere Kostüme getragen.

Chanukka – das winterliche Lichterfest

Chanukka 2005
Bürgermeister Wolfgang Diedrich (CDU, 1994-2004) beim Chanukkafest 2003.

Chanukka (Weihefest) ist das jüdische Lichterfest. Es beginnt am 25. Tag des Monates Kislew (November/Dezember) und dauert insgesamt acht Tage. Chanukka erinnert an die Wiedereinweihung des zweiten jüdischen Tempels in Jerusalem im jüdischen Jahr 3597 (164 v. Chr.) nach dem erfolgreichen Aufstand der Makkabäer der Juden in Palästina gegen hellenisierte Juden und makedonische Syrer, wie er im Ersten Buch der Makkabäer und auch im Talmud (und in der Bibel) überliefert ist. Die Makkabäer besiegten das Seleukidenreich, beseitigten den im jüdischen Tempel errichteten heidnischen Altar und führten den jüdischen Tempeldienst wieder ein. Laut der Überlieferung fand sich Öl für nur einen Tag; durch ein Wunder hat das Licht jedoch acht Tage gebrannt, bis neues geweihtes Öl hergestellt worden war. Daran erinnern die acht Arme des Chanukka-Leuchters (Chanukkia). Jeden Tag wird eine Kerze mehr angezündet, bis am Ende alle acht Kerzen leuchten. Tatsächlich hat der Leuchter neun Arme oder Lichterhalter, die Kerze des neunten Armes ist der Diener (hebr. Schamasch) genannt. Nur mit dieser Kerze dürfen die anderen Kerzen angezündet werden, nachdem die notwendigen Segen (hebr. Brachot) gesagt wurden. Neben Kerzen wird oft auch Olivenöl verwendet, wie bei der Menora im ehemaligen Tempel. Der Chanukka-Leuchter ist nicht identisch mit der Menora, da die Menora an den großen goldenen Leuchter in Jerusalem erinnert und nur sieben Arme hat (Menora: sieben Arme; Chanukkia: neun Arme).

Zwar wurde nach der Entweihung des Zweiten Tempels das Chanukkawunder zur Wiedereinweihung gefeiert. Auch im Johannes-Evangelium wird berichtet über dem Dabeisein Jeschuas (Jesus) bei den Chanukka-Feierlichkeiten im Jahr vor seiner Kreuzigung (Joh. 10,22). Aber im Jahre 3830 (70 n. Chr.) wurde der Tempel durch die Römer endgültig zerstört. Die Juden verstreuten sich über das gesamte Reich und feierten nun in ihren bescheidenen Wohnstätten das Chanukkafest. Chanukka ist primär ein häusliches Fest. An den Abenden versammeln sich die Familien mit Freunden zu ausgelassenen Festen, Gemeindefeiern sind üblich, die Kinder bekommen Geschenke und Süßigkeiten. Gegessen werden vor allem in Öl gebackene Speisen wie Krapfen (Sufganiyyot) oder Kartoffelpuffer (Latkes) mit Apfelmus und saurer Sahne und weitere Spezialitäten der jüdischen Küche. Gemeinsam werden spezielle Chanukkalieder gesungen. Ursprünglich zündete man die Lichter nur in den Häusern an, später auch in den Synagogen. Chanukka und das ungefähr zur gleichen Zeit stattfindende christliche Weihnachten haben sich über die Jahrhunderte gegenseitig beeinflusst und zu einer Annäherung der Festbräuche ("Weihnukka") geführt.